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Das Ansinnen, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken, und wenn wir uns
entschliessen anzunehmen, so nur unter einer Bedingung. Der weisse Mann muss
die Tiere des Landes behandeln wie seine Brüder.

Ich bin ein Wilder und verstehe es nicht anders. Ich habe tausend
verrottende Büffel gesehen, vom weissen Mann zurückgelassen - erschossen aus
einem vorüber fahrenden Zug. Ich bin ein Wilder und kann nicht verstehen,
wie das qualmende Eisenpferd wichtiger sein soll als der Büffel, den wir nur
töten, um am Leben zubleiben. Was ist der Mensch ohne die Tiere? Wären alle
Tiere fort, so stürbe der Mensch an grosser Einsamkeit des Geistes. Was
immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch den Menschen. Alle Dinge
sind miteinander verbunden.

Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Ihr müsst eure Kinder
lehren, dass der Boden unter ihren Füssen die Asche unserer Grossväter ist.
Damit sie das Land achten, erzählt ihnen, dass die Erde erfüllt ist von den
Seelen unserer Vorfahren. Lehrt eure Kinder, was wir unsere Kinder lehren:
Die Erde ist unsere Mutter. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der
Erde. Wenn Menschen auf die Erde spucken, bespeien sie sich selbst. Denn das
wissen wir, die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde -
das wissen wir. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine
Familie vereint. Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die
Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin
nur eine Faser.Was immer ihr dem Gewebe antut, das tut ihr euch selber an.
Nein, Tag und Nacht können nicht zusammenleben. Unsere Toten leben fort in
den süssen Flüssen der Erde, kehren wieder mit des Frühlings leisem Schritt,
und es ist ihre Seele im Wind, der die Oberfläche der Teiche kräuselt.

Das Ansinnen des weissen Mannes, unser Land zu kaufen, werden wir bedenken.
Aber mein Volk fragt, was denn will der weisse Mann? Wie kann man den Himmel
oder die Wärme der Erde kaufen - oder die Schnelligkeit der Antilope? Wie
können wir euch diese Dinge verkaufen - und wie könnt ihr sie kaufen? Könnt
ihr denn mit der Erde tun, was ihr wollt - nur weil der rote Mann ein Stück
Papier unterzeichnet - und es dem weissen Mann gibt? Wenn wir nicht die
Frische der Luft und das Glitzern des Wassers besitzen - wie könnt ihr sie
von uns kaufen? Könnt ihr die Büffel zurück kaufen, wenn der letzte getötet
ist?

Wir werden euer Angebot bedenken. Wir wissen, wenn wir nicht verkaufen,
kommt wahrscheinlich der weisse Mann mit Waffen und nimmt sich unser Land.
Aber wir sind Wilde. Der weisse Mann, vorüber gehend im Besitz der Macht,
glaubt, er sei schon Gott - dem die Erde gehört. Wie kann ein Mensch seine
Mutter besitzen?

Wir werden euer Angebot, unser Land zu kaufen, bedenken, Tag und Nacht
können nicht zusammenleben - wir werden euer Angebot bedenken, in das
Reservat zu gehen. Wir werden abseits und in Frieden leben. Es ist
unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen.

Unsere Kinder sahen ihre Väter gedemütigt und besiegt. Unsere Krieger wurden
beschämt. Nach Niederlagen verbringen sie ihre Tage müssig - vergiften ihren
Körper mit süsser Speise und starkem Trunk.

Es ist unwichtig, wo wir den Rest unserer Tage verbringen. Es sind nicht
mehr viele. Noch wenige Stunden, ein paar Winter - und kein Kind der grossen
Stämme, die einst in diesem Land lebten oder jetzt in kleinen Gruppen durch
die Wälder streifen, wird mehr übrig sein, um an den Gräbern eines Volkes zu
trauern - das einst so stark und voller Hoffnung war wie das eure.

Aber warum soll ich trauern über den Untergang meines Volkes, Völker
bestehen aus Menschen - nichts anderem. Menschen kommen und gehen wie die
Wellen im Meer. Selbst der weisse Mann, dessen Gott mit ihm wandelt und
redet, wie Freund zu Freund, kann der gemeinsamen Bestimmung nicht entgehen.
Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen.

Eines wissen wir, was der weisse Mann vielleicht eines Tages erst entdeckt -
unser Gott ist derselbe Gott. Ihr denkt vielleicht, dass ihr ihn besitzt -
so wie ihr unser Land zu besitzen trachtet - aber das könnt ihr nicht. Er
ist der Gott der Menschen - gleichermassen der Roten und der Weissen. Dieses
Land ist ihm wertvoll - und dieErde verletzen heisst ihren Schöpfer
verachten.

Auch die Weissen werden vergehen, eher vielleicht als alle anderen Stämme.
Fahret fort, euer Bett zu verseuchen, und eines Nachts werdet ihr im eigenen
Abfall ersticken. Aber in eurem Untergang werdet ihr hell strahlen -
angefeuert von der Stärke des Gottes, der euch in dieses Land brachte - und
euch bestimmte, über dieses Land und den roten Mann zu herrschen. Diese
Bestimmung ist uns ein Rätsel. Wenn die Büffel allegeschlachtet sind, die
wilden Pferde gezähmt, die heimlichen Winkel des Waldes, schwer vom Geruch
vieler Menschen, und der Anblick reifer Hügel geschändet von redenden
Drähten; wo ist das Dickicht - fort, wo der Adler - fort, und was bedeutet
es, Lebewohl zu sagen dem schnellen Pony und der Jagd: Das Ende des Lebens -
und den Beginn des Überlebens. Gott gab euch Herrschaft über die Tiere, die
Wälder und den roten Mann, aus einem besonderen Grund - doch dieser Grund
ist uns ein Rätsel. Vielleicht könnten wir es verstehen, wenn wir wüssten,
wovon der weisse Mann träumt, welche Hoffnungen er seinen Kindern an langen
Winterabenden schildert und welche Visionen er in ihre Vorstellungen brennt,
so dass sie sich nach einem Morgen sehnen. Aber wir sind Wilde, die Träume
des weissen Mannes sind uns verborgen. Und weil sie uns verborgen sind,
werden wir unsere eigenen Wege gehen. Dennvor allem schätzen wir das Recht
eines jeden Menschen, so zu leben, wie er selber es wünscht, gleich wie
verschieden von seinen Brüdern er ist. Das ist nicht viel, was uns verbindet.

Wir werden euer Angebot bedenken. Wenn wir zustimmen, so nur, um das
Reservat zu sichern, das ihr versprochen habt. Dort vielleicht können wir
unsere kurzen Tage auf unsere Weise verbringen.

Wenn der letzte rote Mann von dieser Erde gewichen ist und sein Gedächtnis
nur noch der Schatten einer Wolke über der Prärie, wird immer noch der Geist
meiner Väter in diesen Ufern und diesen Wäldern lebendig sein. Denn sie
liebten diese Erde, wie das Neugeborene den Herzschlag seiner Mutter.

Wenn wir euch unser Land verkaufen, liebt es, so wie wir es liebten, kümmert
euch, so wie wir uns kümmerten, behaltet die Erinnerung an das Land, so wie
es ist, wenn ihr es nehmt. Und mit all eurer Stärke, eurem Geist, eurem
Herzen, erhaltet es für eure Kinder und liebt es - so wie Gott uns alle
liebt. Denn eines wissen wir - unser Gott ist derselbe Gott. Diese Erde ist
ihm heilig. Selbst der weisse Mann kann der gemeinsamen Bestimmung nicht
entgehen. Vielleicht sind wir doch - Brüder. Wir werden sehen.



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